Gürtelnightwalk XIV

Samstag, 27.8.2011


XIV Als im August 1998 der allererste Gürtel Nightwalk stattfand war Wien eine andere Stadt, nicht zuletzt in pop-kultureller Hinsicht. Der Gürtel Nightwalk wurde deshalb als spezielles Festival konzipiert, um die damals im Entstehen begriffene Lokalmeile zwischen Thaliastraße und Ottakringer Straße und deren (Musik-)Kultur einem größeren Publikum zu präsentieren und in dessen Wahrnehmung als Ort einer aufregenden, vielfältigen und urbanen Fortgehkultur nachhaltig zu verankern.

Lokale wie das B72, das CHELSEA und das RHIZ hatten sich im Rahmen des von der EU co-finanzierten Programms „Urban Gürtel Plus“ in revitalisierten Stadtbahnbögen angesiedelt und lieferten rasch kräftige Impulse für eine neue Wiener Musikszene, die massiv dazu beitrugen, das Klischeebild vom Gürtel als tristes Rotlichtgebiet schnell vergessen zu machen. Das CHELSEA als „Platzhirsch“ führte seine an einem anderen Standort begonnene, in der Wiener Punk- und New Wave-Aufbruchszeit verankerte musikalische Indie-Kultur mit Livebands und Dj/Djane-Programm fort, und entwickelte sich am Gürtel zusätzlich zu einem Fixpunkt einer neuen Art der Fussball-Fankultur, war so etwa während der Fussball-EM 2008 eine Anlaufstelle für Fussballfans aus ganz Europa. Das RHIZ richtete anfangs einen starken Focus auf elektronischer Musik, samt assoziertem Tonträger-Label setzte es hier starke Akzente, veränderte dabei in den letzten Jahren seine Programmpolitik hin zu einer genreübergreifenden Anlaufstelle für avancierte Musik-Enwürfe, die sich herkömmlichen Genrezuschreibungen entziehen. Das RHIZ ermöglichte mit der Durchführung von durch heimische MusikerInnen „kuratierten“ Veranstaltungsreihen ungewöhnliche, zukunfstweisende kreative Begegnungen zwischen U- und E-Musik, zwischen Improvisationszene, „Jazz“, „Avantgarde“ und „Elektronik“, eine erste Adresse für weitragende musikalische Abenteuer. Das B72 wiederum entwickelte in einem ähnlichen Umfeld wie RHIZ und CHELSEA einen eigenen Charakter, positionierte sich dabei aktuell zusehends als „Heimat“ jüngerer, nachdrängender Bands und musikalischer Zusammenhänge.

2011 ist die Lokalszene am Gürtel lebendig wie eh und je, wichtiger Bestandteil eines kulturellen Stadtplans der ungleich reicher ist an vernehmbaren Einträgen. Die Musikszene, die hier am Gürtel ihre ersten Schritte machte, hat längst zum Sprung nach Europa angesetzt und sorgt auch in anderen Zusammenhängen für Furore. Dabei kehren selbst größer gewordene „Namen“ immer wieder gerne an den Gürtel zurück und erspielen sich viele neue Acts zwischen Indie-Rock und elektronischer Dance/Dj/Djane-Culture immer noch hier ihren Ruf. Der Gürtel hat dabei über die Jahre positiv ab- und ausgestrahlt, Orte/Lokale wie die AUSLAGE, das CAFÈ CONCERTO, THE LOFT, RAGNARHOF oder das WERK nutzen den Umstand, dass der Gürtel im Bewusstsein der WienerInnen als Referenz für Kultur und Entertainment mit Anspruch verankert ist, um ihrerseits neue Akzente in der immer breiter werdenden Angebots-Pallete am und beim Gürtel zu setzen. 2011 ist auch der KUBUS EXPORT Teil des GÜRTEL NIGHTWALK, der von Valie Export gestaltete „transparente Raum“ wird heuer von der Frauenabteilung der Stadt Wien bespielt.

So ist der Gürtel Nightwalk 2011 selbst längst ein Fixeintrag im Wiener Kulturkalender, von konstanter Anziehungskraft für Publikum und KünstlerInnen, der Jahr für Jahr die unterschiedlichsten Bedürfnisse von reiner Neugier („Gürtel schauen“) bis zu reflektiert und kenntnisreich ausgewähltem Kulturgenuss zu befriedigen weiß.

Zum Glück erhalten die InitatorInnen und GastgeberInnen des Gürtel Nightwalk, Nurten Yilmaz, Heinz Vettermann und Kurt Stürzenbecher – die vorm Cafe Carina mit einer Lesung traditionell auch künstlerisch zum Nightwalk beitragen – wie schon 2010 wieder tätige Unterstützung bei ihren Pflichten als Gastgeberinnen. Das „Gürteltier“, vom Wiener Künstler Herrn Tomtschek (H.A.P.P.Y.) eigens geschaffenes Maskottchen des Gürtel Nightwalk hilft ihnen beim „Walken“ zu und zwischen den zahlreichen Stationen des Gürtel Nightwalk XIV.