Post
Die Wiener Gruppe Post serviert auf ihrem Debüt „Go Boomer Go!“ einen Sound zwischen spätem 70er-Punk und kantigem New Wave. Roh, direkt und mit scharfem Schmäh zerlegt die Band Generationenmythen, Selbsttäuschungen und den ganz normalen Wahnsinn der Gegenwart. Es wird mit großer Lust eine tanzbare, kritische Musik gemacht, die den Verhältnissen drein- und dagegenredet. Die Musiker sind in der Szene keine Unbekannten, sondern heimische Punk-Legenden: Neben Rainer Krispel (7Sioux/The Clashinistas) gehören Gitarrist Robert „Räudig“ Wolf (Chuzpe), Drummer Christian Unger (Willi Warma) und Bassist Tom Niesner der Formation an. Gesungen wird auf Deutsch und im Wiener Dialekt
- bissig, poetisch, ungeschönt. Post verorten sich musikalisch zwischen der schnörkellosen Energie von Wilko Johnson und der unbändigen Energie von The Clash, kombiniert mit der gesellschaftskritischen Haltung eines Sigi Maron. Harsche Gitarren, minimalistische Arrangements, stoischer Groove und eine rotzige Attitüde prägen den Sound. Keine Retro-Show, sondern ein zornig-zeitgenössisches Update des späten Siebziger-Feelings.
Linke Positionen sind Teil von Post, wie auch der immer mehr verloren gehende individuelle, gerne sich selbst hinterfragende Humor von (Post-)Punk, der Widersprüche aushält und dem Dogmatismus und Selbstergriffenheit einfach per se zuwider sind: Ungute Dinge, von denen unsere Welt im Großen und Kleinen zunehmend übergeht. Drum singen Post „Alles ist besser als wir“ ebenso wie „dass sich etwas ändern muss, aber keine Ahnung was“.